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"Herdenorganisation"
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Wölkchen
Jungschaf
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"Herdenorganisation"

Hallo,
ich wollte mal eure Meinungen abfragen. Folgendes Problem: Das letzte Lamm der Ouessants ist vor einer Woche geboren. Seither waren sie am Haus in der SCheune untergebracht mit einem Grasauslauf, der aber schon lange nichts mehr hergibt. Sie bekamen Grünfutter zugefüttert, aber der ganze Auslauf ist zu klein für Dauer und war auch nur gedacht, dass wir in der Nähe sind, wenn die Lämmer kommen.

Sie wurden auch zunehmend unzufrieden und haben viel geschrieen, immer wenn sie einen von uns gesehen haben.

Unsere anderen Schafe (ein paar Coburger und ein paar Steinschafe) wohnen auf einer großen Weidefläche am Dorfrand, zu der wir aber nicht hinsehen und mit dem Auto 3-4 Minuten fahren. Da haben wir nun heute morgen die Ouessants hingebracht. So weit, so gut.

Nun haben wir ja zwei Flaschenböckchen dabei. Der eine ist ein Waisenkind, dessen Mutter gestorben ist, als er eine Woche alt war. Der andere ist die Schwergeburt, er war stundenlang zu schwach zum Aufstehen, geschweige denn zum Trinken und wir haben ihm die abgemolkene Milch gefüttert. Die Mama hatte dann keine Milch mehr und er bekommt seither das Fläschchen. Diese beiden Böckchen sind natürlich sehr anhänglich und ich bin ihre Mama. (Besonders bei dem hochgepäppelten Lamm spielen natürlich auch die Emotionen mit - will nicht, dass ihm was passiert....)

Wir haben die beiden beim Umzug mit auf die große Weide gebracht und eine weile beobachtet. Alle Lämmer haben herumgeschrieen, aber nach einiger zeit haben sie ihre Mama gefunden und sind mit ihr auf Entdeckungsreise gegangen. Nur die beiden Flaschenlämmer waren ganz durcheinander und sind immer uns hinterher gelaufen. Die Mama des einen hat auch nicht großartig nach ihrem Kind gerufen, ich denke, dass sie nur einen lockeren Kontakt zu ihrem Söhnchen hat, weil sie ihn nicht gesäugt hat. Die Böckchen wären wohl ziemlich auf sich alleine gestellt, aber sie hätten natürlich die Herde um sich.

Der Bock bleibt am Haus, dazu noch ein zweiter aus der oberen Herde dazu, damit sie nicht unerwünschten Nachwuchs produzieren. Wir haben nun die beiden Flaschenlämmer, weil sie so verzweifelt waren, wieder mit her gebracht und nun sind die beiden alten Böcke und die beiden Flaschenböckchen zusammen.

Ich weiß nicht, was besser für die beiden ist. Sie hätten zwar die Herde und die anderen Lämmer, aber keine Mama, die sie führt. Die Weide ist schon sehr groß und da sind bestimmt auch Füchse. Würde die Herde auf die Lämmer aufpassen, auch ohne Mutterschaf? Das andere ist: Ich müsste mehrmals am Tag mit dem Fläschchen da rauf fahren (was aber ginge, denn allzulange müssen sie die Flasche nicht mehr bekommen, sie sind jetzt 5 Wochen alt).

Würdet ihr sie in die große Herde tun oder bei den Böcken lassen? Die alten Böcke sind lieb zu den Lämmern.

Viele Grüße
Ursula

28.05.2011 14:26
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Kermit
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Beitrag: #2
RE: "Herdenorganisation"

Füchse holen um diese Jahreszeit alles, auch Lämmer die bei der Mutter laufen und wie wir wissen gibt es auch Füchse mit zwei Beinen die Lämmer holen. Solange sie sich mit den Böcken vertragen würde ich sie zusammen lassen, nur irgendwan wird es zu Rangordnungskäpfen kommen.

28.05.2011 22:47
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TomTom
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Beitrag: #3
RE: "Herdenorganisation"

Hallo Ursula,
es ist schon richtig, was Kermit schreibt. Die Anwesenheit der Mutter stellt letztendlich für ein Lamm auch keinen einhundertprozentigen Schutz gegen einen Räuber wie den Fuchs dar.
Allerdings erhöht die Anwesenheit einer Mutter im Falle einer Attacke die Überlebenschancen. Da das Lamm sich bei Gefahr räumlich eng an die vorhandene Mutter halten kann, geht es bei einer Flucht nicht so schnell verloren, wie ein Lamm ohne Mutter.

Beobachtungen zum Sozialverhalten von Schafen haben gezeigt, dass Flaschenlämmer, im Falle einer Fuchsattacke auf die Gruppe, nicht von den Müttern anderer Lämmer verteidigt werden. Die Flaschenlämmer sind auf sich allein gestellt und das Kleinste ist in der Regel das erste Opfer des Fuchses. (Literaturhinweis: Hoflund, S., Beitrag zum Verhalten der Schafe - Beobachtungen und Erfahrungen,
in: Deutsche tierärztliche Wochenschrift 81, 1974, S.616-617).

Auch ich würde die beiden Flaschenlamm-Böckchen bei den anderen Böcken am Haus behalten. Das ist nicht nur sicherer, sondern auch praktischer. Sie müssen schließlich sowieso noch ein paar Wochen gebuddelt werden. Darüber hinaus werden sie sich noch lange den älteren Böcken gegenüber unterordnen.

Viele Grüße,
TomTom.

28.05.2011 23:46
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Wölkchen
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Beitrag: #4
RE: "Herdenorganisation"

Vielen Dank, das bestätigt mich. Die beiden haben sich auch schon an die neue Situation gewöhnt.

Habe heute abend noch viel rumgelesen..... und mache mir mal wieder Riesensorgen, diesmal wegen der Krähen.
Bei uns ist noch nie was passiert, offensichtlich hatten wir Glück, auf der großen Weide sind dieses Jahr zwei Lämmer (aber eben größer als die Ouessants), nun gut 2 Wochen alt und es geht allen gut.... aber nun hab ich gelesen, dass Krähen auf die Lämmer losgehen können usw.

Die Ouessants sind zum ersten Mal so früh auf der großen Weide. Die letzten Jahre hatten wir sie auf einer Wiese in Häusernähe. Füchse und Krähen gab es da aber sicher auch. Die Wiese war aber schon geschützter. Aber dieses Jahr brauchen wir diese Wiese für Grünfutter für die Pferde. Das Gras wächst durch die Trockenheit so schlecht.

Das neueste Lamm ist schon recht klein. Wenn es nach mir ginge, würde ich das glaube ich, wieder für eine Zeitlang ans Haus holen samt Mama. Aber dann hält mich mein Mann, wie so oft, für bekloppt und überängstlich. Aber es wäre furchtbar für mich, wenn ich es verletzt oder tot finden würde, man macht sich ja dann Vorwürfe, dass man leichtsinnig war.

Vielleicht sollte ich das Schafhalten aufgeben. Ich mache mir immer so viele Gedanken und Sorgen. Und man kann das Beste wollen und es doch nicht immer hinkriegen.

Viele Grüße
Ursula

29.05.2011 00:02
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Vogtländer
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Beitrag: #5
RE: "Herdenorganisation"

Habe heute abend noch viel rumgelesen..... und mache mir mal wieder Riesensorgen, diesmal wegen der Krähen.
Bei uns ist noch nie was passiert, offensichtlich hatten wir Glück, auf der großen Weide sind dieses Jahr zwei Lämmer (aber eben größer als die Ouessants), nun gut 2 Wochen alt und es geht allen gut.... aber nun hab ich gelesen, dass Krähen auf die Lämmer losgehen können usw.

Hallo
du kennst das Märchen vom Rotkäpchen?
jeder kennt was über krähen und kennt jemanden der noch üblere geschichten weiss, nur keiner kann der krähen üble nachrede - Beweisen-
das ist leider so.
bei mir sind krähen, kolkraben, roter und schwarzer Milan, Bussard , Habicht, Fuchs und Dachs täglich an und über der Weide nur durfte ich diesen rauhen gesellen keine verluste zu schreiben ; das haben bisher zweibeinige räuber und deren gut hörende und nicht`s machende Kläffer getan- dafür hab ich beweise-
gruss vogtländer
ach so ,ich habe und hatte neugeborene ouessantlämmer auf der weide.

29.05.2011 11:44
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Wölkchen
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Beitrag: #6
RE: "Herdenorganisation"

Hallo Vogtländer

ehrlich ganz herzlichen Dank fuer deinen Beitrag. Heute morgen bin ich ganz früh rausgefahren, alles friedlich, sie lagen in der Morgensonne, jedes lamm bei der Mama und alles gut. So war es in den letzten Jahren ja immer.
Ich lasse mich da einfach leicht in Panik versetzen.
Aber man weiss ja schließlich nie...
Wir hatten früher einige Enten wegen des Habichts verloren und es war kein schöner Anblick, wenn wir zu spät kamen, der Habicht schlägt die Enten lebend und er kann sie nicht töten und wegtragen, er haut ihnen bei lebendigem Leib Fleisch aus dem Körper. und die Enten stehen unter Schock und wehren sich nicht. Sad

Der Fuchs würde sie wenigstens schnell töten. Die vorstellung mit den Krähen finde ich schlimmer.

Jetzt hoffen wir einfach mal, dass alles gut geht!

Viele Grüße
Ursula

29.05.2011 13:12
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TomTom
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Beitrag: #7
RE: "Herdenorganisation"

Hallo Ursula,
in zehn Jahren Zucht von Ouessants hatte ich nie einen Verlust durch Krähen. Und das obwohl bei uns in der Nachbarschaft, in ca. 300 - 400 m Entfernung immer wieder mal ein Krähenschwarm übernachtet. Das sind dann so an die 60 bis 80 Krähen, die machen einen Riesenlärm manchmal.
Für ein bestimmtes Krähenpärchen und dem zugehörigen Nachwuchs gehört unser Grundstück samt Schafweiden anscheinend zum eigenen Revier. Denen lege ich oft mürbe Äpfel an eine bestimmte Stelle, 5 m neben einer der Ouessant-Weiden. Da machen sie sich dann ziemlich schnell drüber her. Sie sind auch oft auf den Weiden in der Nähe der Ouessants zu sehen. Gelegentlich konnte man sie beim Wolle sammeln beobachten, für den Nestbau. Es ist unseren Lämmern noch nie etwas durch die Krähen geschehen.

In Untersuchungen und Feldstudien sowohl im Ausland ( Schottland, England und Australien ) als auch in Deutschland hat sich gezeigt, dass Krähen nahezu ausschließlich durch Krankheit oder Unterernährung geschwächte Lämmer erbeuten.
Es ist nachweisbar, dass Krähen geschwächte Tiere sicher erkennen können. In sehr vielen Fällen hat sich allerdings gezeigt, dass angepickte Lämmer schon vorher tot waren. Laut dieser Studien kam auf 850 bis 2000 nachgewiesenen Lämmerverlusten durch Krähen lediglich ein gesundes Lamm.

Viele Grüße,
TomTom.

29.05.2011 14:10
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Vogtländer
Altschaf
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Beitrag: #8
RE: "Herdenorganisation"

Hallo
das ist ja unser proplem, wir - der Mensch- ist nur zeitweise bei den tieren und änderungen werden nicht wargenohmen oder ignoriert" geht schon noch" Raben und Krähen sind aber ua dazu da verstorbenes und lebensschwaches
zu beseitigen. also lasst uns täglich die tiere ansehen und gegebenfalls von der weide nehmen ,wenn es ihnen nicht gut ist.
gruss vogtländer

29.05.2011 16:02
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